DigniSens – unterstützt Pflegebedürftige und Pflegepersonal

Hallo Simon Werba, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei DigniSens kurz vor:

DigniSens besteht aus fünf Gründern:

Simon Werba (Geschäftsführer, CEO), Werner Lamprecht (CTO), Manuel Rainer (CFO), Stefan Ponsold und Elmar Deligianni (beide Business Development & Strategie). Wir sind zwischen 28 und 36 Jahre alt, stammen bis auf Werner (Südtirol) alle aus Graz und haben verschiedene Ausbildungs-Backgrounds/Expertisen: Jus, BWL, Industriedesign, Management, Software- sowie Hardware-Development/Embedded Systems.

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Wir sind DigniSens, ein fünfköpfiges junges Medizin-Technik StartUp aus Graz, welches sich mit der Entwicklung eines IoT-Sensor-Systems beschäftigt, welches im stationären sowie privaten Pflegebereich sowohl Pflegebedürftige selbst als auch das Pflegepersonal unterstützen soll.

Welches Problem wollt Ihr mit DigniSens lösen ?

Inkontinenz sowie die optimale pflegerische Versorgung pflegebedürftiger Personen in Hinblick auf Sturz-Thematiken und Dekubitus (Wundliegen) sind im stationären und privaten Pflegebereich allgegenwärtige Themen, welche sowohl Pflegebedürftige selbst als auch das Pflegepersonal vor große Herausforderungen stellen. Die rasche und adäquate pflegerische Versorgung von Menschen, welche an Inkontinenz leiden bzw. sturz- und/oder Dekubitus-gefährdet sind, erfordert enorme Anstrengungen: verunreinigte Inkontinenzprodukte („Pflegewindeln“) müssen rasch gewechselt werden, Stürze erkannt und Dekubitus-Wechsellagerungen entsprechend des individuellen Dekubitus-Managements vorgenommen werden. Pflegekräfte geben ihr Bestes, um Pflegebedürftige in diesen Bereichen bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen – insbesondere in Hinblick auf Gesundheitsrisiken und die Qualität des Pflegeprozesses selbst.

DigniSens hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein System zu entwickeln, welches einerseits Pflegekräfte im Pflegeprozess unterstützt, andererseits pflegebedürftigen Menschen einen würdevolleres – und sicheres – Leben im Alter ermöglicht. Das System, welches aus einem wiederverwendbaren Sensor-Device, welches auf die Außenseite des Inkontinenzprodukts geheftet wird, und einem Cloud-Backend besteht, erkennt Verunreinigungen von Inkontinenzprodukten und Bewegungsmuster. Gemessene Daten werden via Cloud-Verbindung dem User (beispielsweise Pflegepersonal, Pflegedirektion oder Heimpflegepersonal) in Echtzeit via Rufanlage oder Smartphone/PC-Frontend angezeigt und entsprechende Notifikationen im Anlassfall hervorgehoben. Dadurch wird dem Pflegepersonal die Möglichkeit geboten, auf Inkontinenzepisoden rasch, adäquat und individuell zu reagieren (Wechsel der Pflegewindel) bzw. aufgrund der Darstellung der Bewegungsmuster Maßnahmen betreffend Sturz-Prävention, Sturz-Versorgung und Dekubitus-Management zu setzen.

Wie ist die Idee zu DigniSens entstanden ?

Die Idee basiert auf den Erfahrungen, die Simon Werba und seine Mitgründer sowohl im privaten/familiären als auch im beruflichen Umfeld sammeln konnten. Sowohl der Austausch mit Familienmitgliedern, welche pflegerisch betreut worden sind bzw. noch immer betreut werden als auch der beruflich bedingte Kontakt mit Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen führten zur Identifikation der genannten Probleme bzw. Herausforderungen. Der Entschluss, sich dieser Thematiken anzunehmen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, ließ insbesondere Aufgrund des großen Zuspruchs durch Pflegeexperten nicht lange auf sich warten.

Wie würdest Du Deiner Großmutter DigniSens erklären ?

Wir entwickeln ein kleines Gerät, welches von außen auf eine Pflegewindel geheftet wird und dem Pflegepersonal mitteilt, wann eine Pflegewindel verschmutzt bzw. zu wechseln ist. Außerdem zeigt es dem Pflegepersonal, wie und in welchem Ausmaß sich jemand bewegt – dadurch erhält man eine Unterstützung, optimale pflegerische Maßnahmen zu vollziehen.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Ja. Ursprünglich war eine bloße Sensorik betreffen die Erkennung von verunreinigten Inkontinenzprodukten geplant. Der stetige Austausch mit Pflegeexperten, Pflegeeinrichtungen bzw. zukünftigen Kunden hat jedoch schnell zum Entschluss geführt, einerseits die Use-Cases zu erweitern, um noch intensiver auf die Bedürfnisse der Anwender einzugehen, andererseits das Produkt nicht als Health-Tech-, sondern als Medizinprodukt umzusetzen.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Der Business-Case basiert hauptsächlich auf dem Input/Wunsch der zukünftigen Kunden (insb. stationäre Pflegeeinrichtungen) und besteht aus einem B2B und einem B2C-Bereich. Betreffend stationäre Pflegeeinrichtungen (B2B) ist ein Mietmodell geplant, welches vorsieht, dass die jeweiligen Sensor-Devices (inkl. Cloud-Service) an die Kunden mittels monatlicher Gebühr (zzgl. einmaliger Installationskosten) vermietet werden. Im privaten Pflegebereich wird ein klassisches Sales-Modell bevorzugt (Einmal-Kauf des Sensor-Devices zzgl. geringfügiger monatlicher Nutzungsgebühr betreffend Cloud-Service/Benachrichtigungsfunktion).

Wie genau hat sich DigniSens seit der Gründung entwickelt ?

Ursprünglich lautete der Arbeits- bzw. Projekttitel ab Herbst 2018 „CleanConnect“. Unter diesem Namen nahm man auch ein einigen Start-Up-Accelerator-Programmen (unter anderem Gründungsgarage Graz, StartUp-Live Vienna und General Electric Health Venture Lab Budapest) teil. Im Sommer 2019 entschieden wir uns dazu – auch in Anbetracht eines adäquaten Corporate Identity Denkens – den Namen in „DigniSens“ zu ändern. Unter diesem (geschützten) Namen wurde auch im Februar 2020 die GmbH gegründet.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen?

Mitarbeiterzahl, Umsatzzahl: (falls gewünscht)

DigniSens besteht auf 5 Gründern, wobei sämtliche Gründer am Projekt mitarbeiten und sich entsprechend durch Arbeitsleistung und Expertise einbringen. In den kommenden Monaten ist es jedoch geplant, insbesondere unter Berücksichtigung der kommenden Aufgaben erste Mitarbeiter/innen aufzunehmen.  

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

So richtig schief gegangen ist nichts – natürlich gab es aber Ups und Downs, was für StartUps zum täglichen Geschäft gehört und nichts Besonderes ist. Statt eines Tiefs würde ich hier an dieser Stelle eher den (ständigen) Prozess bzw. die Herausforderung nennen, welche die optimale Nutzung von internen Ressourcen betrafen.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Wir haben gelernt, dass von Anfang an klar definiert werden muss, welche Aufgaben durch interne Ressourcen bewältigbar sind und inwieweit man Outsourcing betreiben kann bzw. sollte.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

An dieser Stelle ein Zitat: „Eigenlob stinkt, Freundeslob hinkt, Fremdenlob klingt.“

Ich würde sagen, dass anstatt des eigenen „auf die Schulter-Greifens“, die Unterstreichung des Umstands, dass wir stets darauf großen Wert legen, Kundenprobleme tatsächlich zu identifizieren und dafür Lösungen zu finden, ein Punkt ist, auf den wir sehr stolz sind. Genauso stolz macht uns der Umstand, dass wir sowohl Pflegeexperten, Pflegeeinrichtungen und Mentoren auf unsere Seite gebracht haben bzw. deren Unterstützungen erarbeiten konnten. Kein StartUp, kein KMU und kein Projekt kann in einem Bereich alles richtig machen – überall gibt es „room for improvement“. Dies haben wir verstanden und diese Maxime leben wir.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Unser Unternehmen ist zurzeit sowohl durch Eigenmittel als auch durch Förderungen seitens der AWS und der SFG (durch)finanziert.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Für die kommenden 12 Monate sind einerseits die Zertifizierung des Sensor-Systems als Medizinprodukt sowie der erste Produktlaunch große Milestones.

Vielen Dank für das Interview.

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