
Hallo Fabian, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Stell dich unseren Leser:innen doch mal kurz vor – wer bist du, und was machst du bei Crqlar?
Hallo! Ich bin Fabian Rauch, einer der Gründer von Crqlar. Bei uns kümmere ich mich vor allem um Produktstrategie, Partnerschaften und das enge Feedback mit unseren Hotelkunden, damit wir wirklich Lösungen entwickeln, die im Alltag funktionieren.
Vielleicht möchtest du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?
Sehr gern. Crqlar ist ein CRM-System speziell für Hotels. Wir helfen Hotels, ihre verstreuten Gästedaten aus verschiedenen Systemen zu bündeln, zu reinigen und in einem einzigen, smarten Gastprofil nutzbar zu machen – für bessere Kommunikation, besseren Service und am Ende auch mehr Umsatz.
Welches Problem wollt ihr mit Crqlar lösen?
Hotels sitzen auf einem Datenschatz – aber die Daten sind in Silos verteilt: PMS, Restaurant-Software, Spa-Tools, E-Mail-Systeme usw. Niemand hat den vollen Überblick über den Gast. Das führt zu verpassten Chancen beim Service und im Marketing. Wir lösen genau dieses Problem, indem wir die Daten verbinden und intelligent nutzbar machen – ganz ohne Mehraufwand für das Hotelteam.
Wie würdest du deiner Großmutter Crqlar erklären ?
„Stell dir vor, Oma, du bist in einem Hotel und alle dort wissen schon, dass du am liebsten ein Zimmer in der Nähe des Lifts willst, lieber Tee als Kaffee trinkst und gerne eine Massage buchst – noch bevor du es ihnen sagst. Crqlar sorgt dafür, dass das Hotel sich an dich erinnert – egal, ob du schon mal dort warst oder nicht.“
Wie funktioniert euer Geschäftsmodell ?
Wir sind ein B2B-SaaS-Modell mit einer Credit Based Preisstruktur. Hotels schließen mit uns 24-Monatsverträge ab und bekommen alles was sie benöigen aus einer Hand – ob CRM, Newsletter System, Restaurant- oder Spa-Management, Gästekommunikation oder Hotel App. Verrechnet wird dann einfach nach der Anzahl der Credits, das heißt Datenpunkte wie zum Beispiel Reservierungen, Profil Updates, etc. In Form von monatlichen Gebühren. Dazu kommt eine einmalige Setup-Gebühr.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?
Anfangs wollten wir zu viele Funktionen auf einmal anbieten – wir dachten, je mehr, desto besser. Das hat uns in der Entwicklung gebremst und die Nutzer eher verwirrt.
Was habt ihr daraus gelernt ?
Fokus ist alles. Heute hören wir viel stärker auf unsere Kunden, priorisieren die echten Schmerzpunkte und entwickeln gezielt Lösungen dafür. Das macht uns schneller – und die Kunden glücklicher.
Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht ?
Wir haben von Anfang an darauf geachtet, eng mit Hotels zusammenzuarbeiten. Das hat dazu geführt, dass unser Produkt wirklich auf die täglichen Bedürfnisse im Hotelbetrieb abgestimmt ist – nicht auf ein Idealbild am Reißbrett.
Was ist euer nächstes großes Ziel ?
Wir wollen Crqlar zur führenden Hotel-CRM-Plattform in Europa machen – und noch mehr smarte Vorhersagen mit Hilfe von KI integrieren, z. B. um den erwarteten Umsatz pro Gast vorherzusagen oder seine Lieblingsservices zu erkennen.
Vielleicht noch ein paar persönliche Fragen – Stell dir vor, du würdest heute nochmal ganz von vorn starten. Was würdest du anders machen?
Ich würde früher Nein sagen und den vollen Fokus auf eine Sache legen und diese dann perfektionieren. Das Feedback der Hotels war unglaublich wertvoll, da wir quereinsteiger in der Branche waren, aber ab einem gewissen Punkt hatten wir einen besseren Einblick wie man Operations und Systeme strukturiert und automatisiert als viele Hotels.
Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du entschieden hast: Ich gründe ein Unternehmen!? Was war der Auslöser?
Crqlar ist bereits mein 5. Startup aber in diesem Fall, war das, als wir gesehen haben, wie viel Potenzial in Gästedaten steckt – aber niemand sie richtig nutzt. Die Vorstellung, dieses Problem zu lösen, hat mich nicht mehr losgelassen.
Jede Gründung bringt Herausforderungen. Was war deine größte bisher – und wie hast du sie gelöst?
Die größte Herausforderung war es, Vertrauen bei der ersten Hotelgruppe zu gewinnen. Wir haben das durch viele persönliche Gespräche, transparente Kommunikation und einen Proof-of-Concept geschafft.
Welche Entscheidung hat sich im Nachhinein als goldrichtig herausgestellt?
Mit meinem Mitgründer Angel zu geründen, man braucht einfach jemanden mit dem man durch dick und dünn gemeinsam gehen kann. Jemand der einen aus dem Loch zieht wenn es mal nicht läuft und abfedert wenn der Hype kommt. Ich hoffe er sieht das genauso!
Was war der beste Ratschlag, den du je bekommen hast – und von wem?
„Fang an – und verbessere unterwegs.“ Das habe ich von vielen gehört und auch am eigenen Leib bei meinen vorherigen Startups erfahren. Es hilft, Perfektionismus zu überwinden.
Welchen Rat würdest du anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben – besonders jenen, die noch zögern?
Man wird nie 100 % bereit sein. Geh raus, sprich mit potenziellen Kunden und baue so früh wie möglich ein erstes Produkt. Realität schlägt Planung.
Was ist eine harte Wahrheit über Unternehmertum, über die zu wenig gesprochen wird?
Startups sind nicht Tischfussball und Mate Drinks, sondern harte Arbeit – Selbst und Ständig, wie es so schön heißt. Wenn man dafür nicht bereit ist, sollte man nicht gründen.
Welche Bücher, Podcasts oder Menschen inspirieren dich – und warum?
Grundsätzlich Menschen die nicht aufgeben, auch nicht wenn alle anderen sagen „Das ist unmöglich“. Ich bin kein Fan von Elon Musk, aber von der E-Auto bis zur Starlink Vision haben er und sein Umfeld schon Dinge umgesetzt die lange als unmöglich galten. Aber man muss nicht nur auf die Startups schauen, es gibt so viele Menschen wie zum Beispiel Alleinerziehend, in den allermeisten Fällen Frauen, die tagtäglich etwas schaffen, das sich andere gar nicht vorstellen können.
Was war für dich ein echter „Gamechanger“ – ob Tool, Team oder Mindset?
Da gibt es viele Sachen, aber in letzter Zeit natürlich alles rund um KI, wenn man das richtig einsetzt, dann ist es wirklich unglaublich wie KI Tools arbeit nicht nur erleichtern, sondern auch abnehmen können.
Was bedeutet für dich Erfolg – ganz persönlich?
Ganz persönlich ist Erfolg für mich, dass es meiner Familie gut geht. Der Beruf ist natürlich wichtig, aber der wahre Erfolg sind eben meine beiden Töchter.
Wenn du anderen Gründern oder Unternehmer:innen in Österreich eine Botschaft mitgeben könntest – welche wäre das?
Österreich hat großartige Talente und Ideen – wir sollten mutiger sein, diese in die Welt zu tragen. Man muss nicht im Silicon Valley sitzen, um etwas zu bewegen. Allerdings, bei innovativen Lösungen ist der Markt in Österreich oft noch nicht bereit dafür, dann muss man weg und später wieder kommen, anders geht es leider nicht.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns so offen zu sprechen.